Lappland - Unterwegs mit Pulken & Ski
März 2026 // Der Frühling erreicht nun auch langsam den Norden von Skandinavien. Die Tage werden wieder länger, und erlauben einem auf komplexere Mehrtagestouren durch die Weiten des Landes zu gehen. Bevor der Schnee vollends weicht, entscheide ich mich spontan nachmals nach Tromsö zu fliegen und dort eine Tour mit dem Pulken von Snarbyeidet nach Tromsdalen zu machen. Das ist etwa eine Stunde von Tromsö entfernt. Wegen der Anreise mit dem Auto werde ich aber nicht bis Tromsdalen gehen, sondern in der Mitte umkehren und zurück zum Start wandern. Vier Tage habe ich eingeplant, alle Übernachtungen im Zelt obwohl es unbewartete Hütten mit Winterraum auf dem Weg gäbe. Die uneingeschränkte Freiheit und Flexibilität sind mir wichtiger.
Bisher waren meine Touren so angelegt, dass man potentiell bewohnte Gebiete noch so einigermassen in der Nähe erahnen konnte. Für den Fall des Falles hätte ich die Möglichkeit gehabt, in ein paar Stunden irgendwie Hilfe zu bekommen. Bei dieser Tour war das nun nicht mehr der Fall. Bei meiner Geschwindigkeit mit Gepäck und dem manchmal mühsamen Gelände wären es im Maximum 1.5 Tage zurück zum Start gewesen. Ich bewundere die Abenteurer, die mit dem Pulken mehrere Wochen allein durch die Weite der Arktis oder Antarktis ziehen. Theoretisch reicht es ja schon, mit den Ski blöd zu fallen und sich die Schulter auszukugeln, so dass es für einen nicht mehr weiter geht. Was dann? Diese Unbekümmertheit habe ich noch nicht, und daher fand ich diese Tour schon mental anspruchsvoll.
Dafür ist die erlebte Weite aber unbeschreiblich. Keine Lichter von Städten in der Nacht. Absolut keine Geräusche ausser dem Wind....
Am Ende des zweiten Tages erreiche ich den höchsten Punkt der Tour. Um mich herum: Nichts als Schnee, Eis und Weite. Keine Geräusche, keine Stimmen, keine Tierspuren. Sobald ich das Zelt aufgebaut habe, fühle ich mich an einem Ort zu Hause. Diese Weite war mir fast zu viel. Gigantisch schön aber auch unnahbar. Mein Zelt und ich ein Fremdkörper in dieser unberührten Landschaft.
Blaue Stunde. Ob ich an diesem Tag die Sonne gesehen habe, weiss ich nicht mehr. Auf jeden Fall war sie nun unter dem Horizont verschwunden, und alles bereitete sich auf die lange Nacht vor. Die Wettervorhersage für morgen war schlecht. Regen oder Schnee, starke Winde und im schlimmsten Fall ein white-out. Zur Sicherheit hatte ich den Hinweg auf meinem Garmin-GPS aufgezeichnet. Trotzdem bin ich froh, zumindest im Abendlicht noch die Spur meiner Ski im Schnee zu sehen.
Am späteren Abend klart es unerwartet auf. Im März dauert die Dämmerung schon fast ewig. Erst gegen 22 Uhr wird es wirklich dunkel. Eine lange Zeit des Nichts-tuns, nachdem ich gegen 17 Uhr das Zelt aufgebaut hatte. Im Winter erscheinen die ersten Nordlichter schon am späten Nachmittag. Start gegen 17 Uhr kann hier durchaus realistisch sein. Diese Bilder unten sind in der Dämmerung gegen 20 Uhr entstanden. Der grüne Bogen des Nordlichts und ein paar andere Tupfer heben sich leicht vom Licht der blauen Stunde ab.
Der Morgen des nächsten Tages beginnt nicht verheissungsvoll. Was mache ich hier? So soll das Wetter die nächsten drei Tage bleiben. Die Perspektive: Zwei weitere Tage durch eine verhangene Landschaft marschieren - ohne wirkliches Ziel, denn ich muss sowieso zurück zum Start. Keine Unterhaltung aus dem Internet, da kein Empfang. Niemand da, um Gedanken auszutauschen. Zwei weitere Tage komplett mit mir allein. Marschieren und über das Leben nachdenken, im Zelt liegen und über das Leben nachdenken. Zu viel Grübeln ist gefährlich. Manchmal entsteht dadurch ein zu starker Sog nach unten.
Also: Zelt abbauen und Gewaltmarsch zurück zum Parkplatz...